"Nachruf auf den Mond" von Nathan Filer

Als Matthew gemeinsam mit seinen Eltern und seinem Bruder Simon einen Urlaub in Cornwall verbringt, geschieht etwas Schreckliches. Simon, der aufgrund seiner Krankheit unbeholfen ist, erleidet einen Unfall und stirbt. Von diesem Moment an gibt sich Matthew die Schuld am Tod des Bruders und zerbricht fast daran.
Zehn Jahre später weilt Matthew als Patient in einer Tagesklinik der Psychiatrie. Von dem tristen Klinikalltag genervt, beginnt er die damaligen Ereignisse aufzurollen und schreibt eine Geschichte, die von ihm und seinem Bruder Simon erzählt. Denn dieser ist in seinen Augen längst nicht tot. Jeden Tag hört und sieht er ihn. Und obwohl er weiß, dass Simons Stimme eine Nebenerscheinung seiner Krankheit ist, fühlt er sich ihm ganz nah.

„Nachruf auf den Mond“ ist eine aufwühlende Geschichte, die von dem 19-jährigen Matthew Homes erzählt, der den tragischen Tod seines Bruders nicht verwinden kann. Schließlich war er es, der den am Down Syndrom leidenden Simon in den Wald gelockt hat, wo er an den Folgen eines Unfalls starb. Nun, viele Jahre später ist er selbst an Schizophrenie erkrankt und schaut auf die damaligen Ereignisse zurück. Dabei ist es nicht nur Simons Tod, der sein Leben von Grund auf verändert hat. Auch das Leiden seiner Mutter und die Erkenntnis, dass seit der verhängnisvollen Nacht das Familienglück für immer zerbrochen ist, haben ihm ordentlich zugesetzt. Doch nicht nur darüber schreibt er. Auch sein eigener Leidensweg wird thematisiert und die Probleme, die eine psychische Erkrankung mit sich bringt.

Nathan Filer, der früher als Krankenpfleger in der psychiatrischen Klinik in Bristol tätig war, beschreibt in seinem Roman sehr einfühlsam, wie  es ist, mit einem Trauma zu leben. So passt er sich in der Art zu schreiben an die oftmals verworrenen Gedankengänge von Matthew an und lässt ihn genauso konfus seine Geschichte erzählen, wie er sie in seiner Aufarbeitung durchlebt. Dabei wechseln sich Gedankensplitter aus der Vergangenheit mit gegenwärtigen Erlebnissen ab und werden mit aufkommenden Gefühlen durchmischt. In der Ichform aus der Sicht von Matthew erzählt, wirken die Ereignisse dadurch besonders intensiv. Auch dauert es eine Weile, bis der Leser wichtige Ereignisse und Zusammenhänge in die richtige Reihenfolge bringen kann. Dafür aber wird der mit einer sehr eindringlichen Erzählung belohnt, die ihn auch im Nachhinein noch lange beschäftigen wird.

Fazit:
"Nachruf auf den Mond" ist ein ungewöhnlicher Roman, der etwas ganz Besonderes ist und mit viel Geduld und Einfühlungsvermögen gelesen werden sollte, um das erkennen zu können.



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